„Turnier war wichtige Perspektive für die Fechtjugend“

Die Fechtabteilung des TSV Neu-Ulm hat an Wochenende ihren 22. Donau-Iller-Cup ausgetragen. Das Traditionsturnier stand mit erweitertem Hygieneregeln ganz im Zeichen der Gesundheitssicherheit. Dennoch kamen im Degen und Florett insgesamt 81 Teilnehmer, fast so viel wie in normalen Jahren. Zwei Sieger-Pokale behielten die heimischen TSVler gleich vor Ort.

Es war schon ein besonderes Turnier, mit besonderen Hygienemaßnahmen: vier statt sechs Fechtbahnen für mehr Abstand, (Fecht-) Maskenplicht nicht nur auf der Planche, sondern auch der Mund-Nasen-Schutz zwischen den Gefechten war obligatorisch, Pokale und Urkunden mit Einweghandschuhen übergeben, überall in der Halle aufgeklebte spezielle Laufwege, um keine Warteschlangen und Menschenansammlungen zu bilden, das Catering mit nur kalten und in Cellophan verpackten Snacks, mit Einverständniserklärung von Teilnehmern und Gesundheitsbetätigungen auch von Zuschauern, das ganze Hygienekonzept umfasste über 30 Seiten und war – gelinde gesagt – ein mords Zusatzaufwand zusätzlich zum Organisieren eines normalen Fechtturniers, und dennoch: „Die Neu-Ulmer haben eines der ersten Turniere in Corona-Zeiten durchgeführt, und das war elementar wichtig, denn wir müssen auch der Fecht-Jugend Perspektiven aufzeigen, sonst wird es für die Kiddies und für die Sportart schwierig“, sagte Daniel Stephan, Vizepräsident Inneres/Äußeres des Bayerischen Fechterverbandes, der im TV Feldkirchen bei München aktiv ist und mit einigen Startern gekommen war. Im Fechten gelten München und Neu-Ulm noch als Region, denn so viele Vereine, zumal in derselben Waffengattung (Florett, Degen oder Säbel) gibt es nicht.

„Natürlich steht und stand der Gesundheitsaspekt an erster Stelle, unter Einhaltung aller Hygiene- und rechtlichen Bestimmungen sowie mit einem ausgearbeiteten Hygiene-Konzept und natürlich der bedauerlichen Beschränkung der Zuschauerzahlen konnten wir den Traditions-Cup ausrichten, und es hat nach jetzigem Stand alles bestens funktioniert, sprich: es gab keine Krankheitsfälle“, so die Verantwortlichen der Fechtabteilung, Tobias Allgeier (stv. Abteilungsleiter), Jörg Niehues (Kassier) und Thomas Kießling (Abt.ltr.).

Fechten mit höchstem Anspruch

Neben allen Corona-Regeln wurden auf den Fechtbahnen mit höchstem Anspruch gefochten. In je fünf Alterskategorien bis zur U20 fand am Samstag der Degen-Wettkampf statt, am Sonntag waren die Florett-Fechter dran.

Aus heimischer Sicht herausragend und allesamt im Florett, weil der Verein  hier Leistungsstützpunkt ist, der Sieg von Felix Klaus gegen Nils Bosserhoff vom FC Tauberbischofsheim mit 15:11. Nils war im Sommer offiziell vom TSV Neu-Ulm nach Tauber gewechselt und ist dort bereits seit einem Jahr im Sportinternat. David Schneider vom TSV wurde hier bei der U20 sehr guter Dritter –  wie auch später bei der U17. Bei der weiblichen U13 konnte die Neu-Ulmerin Amelie Petschner ihren ersten Turniersieg holen und lag nur knapp vor Vereinskameradin und Freundin Hannah Trunzer, die hervorragende Dritte wurde und damit ebenfalls aufs weit auseinander gestellte Podest kam.

Amelie Petschner mit ihrem ersten Turniersieg, recht neben ihr Hannah Trunzer als sehr gute Dritte.

Sehr gute Ergebnisse fuhren auch Marlene Best als Zweite in der U20 ein, David Böhme als Zweiter bei der U11 und Esad Kaymas als Zweiter sowie Joshua Kießling als Dritter in der U15. Insgesamt waren 16 Neu-Ulmer Starter in dem 81 Teilnehme großen Feld vertreten. Sechs Lokalmatadoren verzichteten aufgrund der Corona-Lage freiwillig auf die Teilnahme. Auch von anderen Clubs gab es zahlreiche zum Teil kurzfristige Absagen. „Jeder muss beim Start auch ein gutes Gefühl, wenn er das nicht hat, dann ist ein Fernbleiben absolut okay“, zeigten die Veranstalter Verständnis.

Es ist auch im Fechtsport ungewiss, wie die Saison weitergehen kann. „Alles was seriös möglich und vertretbar ist, sollte man veranstalten, sonst wird es insgesamt schwer, erstens für die Fecht-Jugend und im zweiten Schritt für die gesamte Sportarten Fechten“, waren sich die  Verantwortlichen am Wochenende sicher. Im Falle des TSV Neu-Ulm stehen die Zeichen nicht nur aufgrund des Wochenendes bislang noch Grün: zwölf Anfänger haben den Starter-Kurs belegt, mit super motivierten Trainern und einem neuen Chef-Coach Ingo Weißenborn, der als Mannschafts-Olympiasieger Florett von 1992 noch von ganz ruhmreichen Zeiten im deutschen Fechten berichten kann. Der 22. Donau-Iller-Cup hat der Fechtjugend Perspektiven ausgezeigt und das Mögliche unter großem Hygienekonzept ausgeschöpft, war sich Offizielle und Veranstalter einig. Das bilde eine Momentaufnahme ab, denn schon am kommenden Wochenende könne es für andere Turniere wieder ganz anders aussehen.

Unser neuer Chef-Trainer Ingo Weißenborn – auch als Kamprichter im Einsatz.

Hintergrund

Die Fechtabteilung hatte ein ausgeklügeltes Hygienekonzept erarbeitet – auf Basis der Grundlagen von Stadt, Gesundheitsamt, Bayerischer Fechterverband und Deutscher Fechter Bund – insgesamt über 30 Seiten stark, das von den Behörden abgesegnet wurde.

Zur Historie des DIC

Erfunden hat den Donau-Iller-Cup vor 22 Jahren der damalige Abteilungsleiter Richard „Richy“ Oed, der auch in diesem Jahr wieder Turnier-Direktor des DIC war und unermüdlicher Motor der TSV-Fechtabteilung ist. Ersonnen wurde der DIC, weil Ulm und Neu-Ulm an Pfingsten 1999 vom Hochwasser betroffen waren – auch die Fecht-Utensilien im Waffenraum der Weststadtschul-Halle in Neu-Ulm. Um neues Fechtmaterial finanzieren zu können, waren neue Geld-Quellen nötig, eine Lösung dabei: der neu geschaffene DIC.

Das Fecht-Turnier wurde bei Fechtern – auch aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland – schnell sehr beliebt, weil es in deren Sommer-Ferienzeit fiel. Die Fecht-Familien konnten es mit der Urlaubsfahrt in den Süden verbinden. Ein schöner Zwischenhalt bei den Fechtfreunden in Neu-Ulm – diesmal Ende Oktober. Das Traditionsturnier ist immer top modern, auch vor dem Hintergrund, dass vor drei Jahren die Degen-Fechter einen eigenen Wettkampftag bekamen und der DIC damit einem gesamten Wochenende ausgetragen wird.

Infos und Ergebnisse hier unter

www.fechten-nu.de 

und Stichpunkt Ergebnisse unter

www.fechten.org

DIC-Ergebnisse-2020